Gottesdienste 2021

 

 

Februar

     
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 21.02.2021Invokavit Lesegottesdienst10:00GottesdienstPastorin Klindworth
 28.02.2021Reminiszere10:00GottesdienstLektorin van den Berg

 

Lesegottesdienst am 28.2.2021

Liebe Leserinnen und Leser,

der zweite Sonntag in der Passionszeit nimmt das Verhältnis von Gott und Mensch in den Blick. Seinen Namen hat der Sonntag von der lateinischen Fassung von Psalm 25,6: „Reminiscere miserationum tuarum, Domine“. In der Luther-Bibel wird dieser Vers übersetzt mit: „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit.

 

Lied: EG 455 Morgenlicht leuchtet

Klicken Sie auf Play bei der "Audiodatei Nr. 1", um die Klavierbegleitung zu starten!

1.) Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang.
Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt.
Dank für die Lieder, Dank für den Morgen,
Dank für das Wort, dem beides entspringt.

2.) Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet.
So lag auf erstem Gras erster Tau.
Dank für die Spuren Gottes im Garten,
grünende Frische, vollkommnes Blau.

3.) Mein ist die Sonne, mein ist der Morgen,
Glanz, der zu mir aus Eden aufbricht!
Dank überschwänglich, Dank Gott am Morgen!
Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht.
 

Tagesgebet:

Barmherziger Gott,

Du bittest uns, gütig zu sein und einander zu lieben.

Du wünschst Dir, dass Recht und Gerechtigkeit unter uns wohnen.

Doch manchmal gedenken wir Deiner Gebote nicht.

Erbarme Dich unser, Du heiliger, ewiger Gott.

Gedenke an Deine Barmherzigkeit und Güte.

Wir brauchen sie so sehr.

Auf Deine Liebe hoffen wir in Zeit und Ewigkeit.

Amen.

 

Predigttext Jesaja 5, 1-7

Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?  Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

 

Lied: EG 603 Ins Wasser fällt ein Stein

Klicken Sie auf Play bei der "Audiodatei Nr. 2", um die Klavierbegleitung zu starten! Der Mitsing-Part beginnt ab 0:22.

1.) Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise,
und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt,
da wirkt sie fort in Tat und Wort, hinaus in uns're Welt!

2.) Ein Funke, kaum zu sehn, entfacht doch helle Flammen,
und die im Dunkeln stehn, die ruft der Schein zusammen.
Wo Gottes große Liebe in einem Menschen brennt,
da wird die Welt vom Licht erhellt; da bleibt nichts, was uns trennt.

3.) Nimm Gottes Liebe an. Du brauchst dich nicht allein zu mühn,
denn seine Liebe kann in deinem Leben Kreise ziehn.
Und füllt sie erst dein Leben und setzt sie dich in Brand,
gehst du hinaus, teilst Liebe aus, denn Gott füllt dir die Hand.

Text: Manfred Siebald (1973)
Melodie: Kurt Kaiser (1965)

 

Predigt:

Liebe Gemeinde,

eine kleine Umzugskiste muss er noch auspacken. Und das ist die Schwerste. Nicht vom Gewicht her. Nein, sie ist mit Bildern und Kleinigkeiten gefüllt. Schwer wird ihm das Herz, wenn er die Bilder sieht und die Vergangenheit noch einmal in die Hand nimmt. Eigentlich könnte er die ganze Kiste wegwerfen. Fünf Jahre seines Lebens, Erinnerungen an eine große Liebe. Aber das schmeißt man nicht so einfach weg. Er greift in die Kiste und zieht wahllos etwas heraus. Eine Eintrittskarte. Depeche Mode in Hamburg. Dort hatten Sie sich kennengelernt. Er hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. Für ihn war es Liebe auf den ersten Blick. Als sie nach einem Jahr einen Job in Süddeutschland angeboten bekam, da zog er kurzer Hand mit. Er unterstützte sie beim Neuanfang in der Firma, obwohl er selbst einen neuen Job hatte. ER war der Kümmerer. Er war der, der die Steine aus dem Weg räumte und er hielt ihr den Rücken frei. Sein bester Freund fragte ihn einmal, warum er so viel Herzblut in diese Beziehung investierte, mehr als für ihn gut war. „Ach du mit deinem BWL Studium. Meinst du Liebe muss sich immer auszahlen“, hatte er geantwortet. „Ich liebe diese Frau eben. Da kann man nix machen.“

Im heutigen Predigttext haben wir gelesen: Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte.

Die Eintrittskarte vom Konzert landet im Altpapier. Genauso wie die Einladungskarte zu ihrer Hochzeit und die Fotos aus ihrem Toskana Urlaub. Weg damit. Es war vorbei. Irgendwann hatte er gemerkt: wenn du immer nur gibst und nichts zurückbekommst, breitet sich Leere in Dir aus. Anfangs hatte er gehofft, die Liebe wird noch wachsen. Sie braucht einfach Zeit. Aber in ihrem kargen Alltag fühle er sich bald alleine und die Verletzungen nahmen zu. Worte waren wie Messer.

Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte aber er brachte schlechte.

Der Termin beim Anwalt war bitter. Er war wütend und hatte ihr alle Schlechtigkeit an den Kopf geworfen. Alles, was sich angestaut hatte. Die Geschichte einer Enttäuschung. Dabei hatte alles so gut angefangen.

Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Der Prophet Jesaja singt ein Lied und erzählt eine Liebesgeschichte. Mein Freund hatte einen Weinberg. Poetische Worte. Wie klingt dagegen unser heutiges Wort „Beziehung“? Zur Zeit Jesajas hatte jeder sofort bei dem Wort „Weinberg“ eine Liebesgeschichte vor Augen. Liebe ist wie ein Weinberg, wie ein Garten, der angelegt wird. Du kannst seine Schönheit und Fülle genießen, die saftigen Trauben. Du musst aber auch Steine wegräumen, Wege anlegen, etwas aufbauen.  Ein schönes Bild für die Liebe.

Diese Geschichte geht nicht gut aus. Es gibt keine guten Trauben, der Weinberg bringt keine Frucht, obwohl der Winzer alles getan hat. Am Ende müssen oft Anwälte und Gerichte über das Ende von Beziehungen entscheiden. So auch im Weinberglied.

Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?

Enttäuschte Liebe tut weh. Der Schmerz entlädt sich oft in Wut und Zorn. Was mir eben noch am Liebsten war, möchte ich jetzt kurz und klein schlagen. Der enttäuschte Liebhaber im Weinberg-Lied sagt:

Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahlgefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. 

Eine enttäuschte Liebe. Damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Eine Geschichte, in der Menschen sich wiederfinden können mit ihren Verletzungen und Verwüstungen. Das passt zur beginnenden Passionszeit. Wir legen in dieser Zeit alles in Gottes Hand, was im Leben nicht wachsen konnte, was verkümmert ist, wo wir andere enttäuscht haben oder selbst enttäuscht wurden.

Doch das Lied geht weiter. Nimmt eine Wendung und weitet den Horizont.

Des HERRN Zebaoth Weinberg ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

Es geht um die Liebe Gottes zu seinem Volk. Gott ist enttäuscht, verletzt und wird zornig. Das Gottesvolk, sein Weinberg bringt keine gute Frucht, obwohl er sich unermüdlich einsetzt. Jesaja, der Prophet hat es vor Augen: Die Eliten sind korrupt und bereichern sich auf Kosten der Armen. Statt Gut-Tat, gibt es Blut-Tat. Das Volk Israel als Weinberg Gottes hat versagt. Die Menschen sind böse und gewalttätig. Statt gute Früchte zu bringen, gibt es bittere Trauben. Eine Gesellschaft versinkt im Unrecht. Für Jesaja gibt es keine Liebe zu Gott ohne die Liebe zum Nächsten. Was auf dem Marktplatz passiert, hängt zusammen mit dem, was im Tempel gesagt wird. Bei ihm wird die Liebe groß gedacht, wird politisch und geht über das, was zwischen zwei Menschen passiert weit hinaus. Gott will Recht und Gerechtigkeit. Das ist die Ansage des Propheten Jesaja. Wo eine Gesellschaft nicht darauf achtet, dass es allen gut geht, verkümmert das Leben. Klare Ansagen im Weinberg Gottes im achten Jahrhundert vor Christus.

Gott hat einen Weinberg, immer noch. Obwohl er ihn doch enttäuscht aufgeben wollte. Erst neulich wurde dieser Weinberg neu vermessen. Die Raumsonde EOS hat den Weingarten Gottes umrundet, der Planet, den wir Erde nennen. Das sind atemberaubende Bilder. Vollkommenes Blau der Meere, die Wälder im satten Grün und majestätisch grau die Rücken der Berge. Gott hat sich wirklich Mühe gegeben mit diesem Weinberg. Es ist genug für alle da. Der Boden ist fruchtbar und das Wasser klar. Hier könnten sie wachsen die Trauben der Gerechtigkeit. Hier könnten sie wachsen die Trauben des Friedens.

Aber wer genau hinsieht, von oben, aufs Ganze gesehen, erkennt auch Spuren der Verwüstung. Die Antarktis ist auf dem Rückzug. Das schimmernde Weiß verschwindet immer mehr. Aus dem Grün der Wälder werden immer mehr aschegraue Felder. Im klaren Blau der Meere treiben ganze Kontinente aus Plastik.

Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen,  und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. 

Manchmal fürchte ich mich und denke dass es zu spät ist für unseren Weinberg und dass Gott, der gute Weinbergbesitzer sich aus dem Staub gemacht hat. Vielleicht konnte er es nicht mehr mitansehen, all dieses Blut, das zum Himmel schreit, all diese Zerstörung von Leben. Vielleicht hat er enttäuscht einen neuen Garten angelegt, eine neue Liebe gefunden, irgendwo in einer fernen Galaxie.

Aber dann sehe ich seinen Gärtner kommen, fröhlich pfeifend, die Gießkanne in der Hand. Behutsam richtet er die geknickten Reben auf, schlägt Pfähle ein, die die Pflanzen halten. Prüfend pflückt er eine Traube, steckt sie sich in den Mund und lächelt. Kommt her zu mir, sagt er, ich bin der Weinstock und ihr die Reben. Solange ihr mit mir verbunden seid, bekommt ihr neue Kraft. Er nimmt seine Gießkanne und es strömen Recht und Gerechtigkeit wie Wasser.                     

Mein Freund hat einen Weinberg, ich will dass die Geschichte diesmal gut ausgeht und hole schon mal die Harke aus dem Schuppen. Nimmst du die Gießkanne? Dann sind wir schon zwei. Und wo zwei oder drei – ihr wisst schon… Der Umzugskarton ist leer. Vor ihm liegen zwei Stapel. Ein Haufen mit Erinnerungsstücken, von denen er sich trennen will. Die Wut ist vergangen.

Was war, soll ihn nicht mehr gefangen nehmen. Den zweiten Stapel mit Erinnerungen will er aufheben. Es gab auch gute Zeiten. Vielleicht ist das der Humus, auf dem etwas Neues wächst. Irgendwann will er wieder lieben. Mein Freund wird einen Weinberg haben. Er wird ihn umgraben und edle Reben pflanzen. Er wird einen Turm bauen und warten. Und er wird gute Trauben bringen.

Amen

 

Lied: Sei behütet

Klicken Sie auf Play bei der "Audiodatei Nr. 3", um die Klavierbegleitung zu starten! Der Mitsing-Part beginnt ab 0:27 und endet bei 3:36.

Refrain: Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht.
Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.

1.) Mitten in die graue Alltagswelt, die sang und klanglos mich beengt,
höre ich ein Lied, das mir gefällt  und das mir Perspektiven schenkt.

Refrain: Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht.
Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.

2.) Immer wenn wir auseinandergeh'n, spür' ich Trauer, fühl' ich mich allein.
Und bis wir uns einmal wiederseh'n, soll'n die Worte dein Begleiter sein.

Refrain: Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht.
Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.

3.) Manchmal, wenn ein Tag zu Ende geht, und die Nacht durch alle Ritzen dringt,
spüre ich den Wind, der uns umweht und diese Zeilen mit sich bringt:

Refrain: Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht.
Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.

Melodie: Clemens Bittlinger, Fabian Vogt
Text: Clemens Bittlinger

 

Fürbitten:

Ewiger, heiliger Gott, bitte verlasse unsere unbarmherzige Welt nicht.

Wenn das Unrecht zum Himmel schreit, wenn Korruption und Machtgier herrschen –

sei Du da, mit Deinem mahnenden Wort und mit Deinem Heiligen Geist.

Wir rufen zu Dir:

Gedenke, Gott, an Deine Barmherzigkeit und an Deine Güte.

 

Gnädiger Gott, wir bitten Dich für die Enttäuschten und Gekränkten,

für die Wütenden und Hasserfüllten,

um Menschen, die ihre Verletzungen wahrnehmen und ernst nehmen.

Wir bitten Dich für sie um eine Liebe, die heilt,

und um die Kraft, Vergebliches und Vergangenes loszulassen.

Wir rufen zu Dir:

Gedenke, Gott, an Deine Barmherzigkeit und an Deine Güte.

 

Barmherziger Gott, Deine Güte ist unser Trost im Scheitern und Zweifeln.

Bitte habe Geduld mit uns,

wenn wir ungeduldig und unbarmherzig miteinander sind,

wenn unser Glaube fragil wird und Furcht Vertrauen infrage stellt.

Wir rufen zu dir:

Gedenke, Gott, an Deine Barmherzigkeit und an Deine Güte. Amen.

 

Vaterunser:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsre Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Segen:

Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Amen!

Bleiben Sie behütet und gesund!

Lesegottesdienst am 21.2.2021

Liebe Leserinnen und Leser,

der erste Sonntag in der Passionszeit hat den Namen „Invokavit“. Wörtlich übersetzt heißt das: „Er hat gerufen.“. Der Name des Sonntags bezieht sich auf Gottes Zusage in Psalm 91,15: „Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.“

Der Wochenspruch steht im 1. Johannesbrief, Kapitel 3, Vers 8b: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ Hauptthema des Sonntages ist die Versuchung. durch den Diabolos, den „Durcheinanderbringer“ und Jesus, Gottes Sohn, der sich dieser Herausforderung stellt.

Dazu möchte ich Sie und Euch heute einladen: die vor uns liegende Passionszeit als Herausforderung anzunehmen, sich in Beziehung zu setzten mit sich selbst und mit Gott.

Wir feiern in seinem Namen, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen!

Lied: Instrumental
-> Klicken Sie auf Play bei der "Audiodatei Nr.1", um das Musikstück zu starten! Sie sind herzlich eingeladen zuzuhören.
 

Gebet zum Tage:

Am Morgen bist du da Gott und am Abend. Mit dir gehe ich durch diesen Tag, du hast mir deinen Schutz zugesagt. Bleibe bei mir, wenn ich in Not gerate, mich verraten und verkauft fühle. Gib mir Halt an deinem Wort – wie Jesus, deinem Sohn, meinem Bruder. Amen


Evangeliumslesung:

Johannes 13,21-30 (Luther 2017)
Jesus wurde erregt im Geist und bezeugte und sprach: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.“ Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: „Herr, wer ist’s?“ Jesus antwortete: „Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.“ Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: „Was du tust, das tue bald!“ Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: „Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!“, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Lied: Unser Vater
-> Klicken Sie auf Play bei der "Audiodatei Nr. 2", um die Klavierbegleitung zu starten! Der Mitsing-Part beginnt ab 0:25.

1.) Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst.
Der trotz all seiner Größe immer ansprechbar ist.

Refrain: Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen.
Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten. Amen.

2.) Deine Herrschaft soll kommen, das, was du willst, gescheh'n.
Auf der Erde, im Himmel, sollen alle es seh'n.

3.) Gib uns das, was wir brauchen, gib uns heut' unser Brot.
Und vergib uns den Aufstand gegen dich und dein Gebot.

Refrain: Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen.
Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten. Amen.

4.) Lehre uns zu vergeben, so wie du uns vergibst.
Lass uns treu zu dir stehen, so wie du immer liebst.

5.) Nimm Gedanken des Zweifels und der Anfechtung fort.
Mach' uns frei von dem Bösen durch dein mächtiges Wort.

6.) Deine Macht hat kein Ende, wir vertrauen darauf.
Bist ein herrlicher Herrscher und dein Reich hört nie auf.

Refrain: Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen.
Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten. Amen.

Titel: Bist zu uns wie ein Vater
Melodie: Hans Werner Scharnowski
Text: Christoph Zehendner

 

Gedanken zu Johannes 13,21-30

Liebe Leserinnen und Leser,

die Passionszeit ist da. Passion – da schwingt bei vielen von uns mit: Leiden, Schmerz, Mühe, Schweiß. Das Gegenteil von Ruhe, Beschaulichkeit, Bequemlichkeit und Leichtigkeit. Passionszeit – die wird uns Jahr für Jahr zugemutet. Sie erinnert uns daran: Das Leben ist nicht immer nur leicht. Es gibt auch Lebenskampf. Auch in unserer Mitte. Die Zahlen und Analysen der Armut in unserem Land sind Teil davon. Die Erfahrung, dass Beziehungen mühsam sein können, auch. Wir haben Menschen unter uns, die trauern. Wir hören von Leuten, die unter beruflichem Stress zusammengebrochen sind. Passion – das gehört zu unserem Leben – auch wenn wir das nicht gut finden. Im Evangelium heute – wir haben es eben gelesen – geht es genau darum. Um Beziehungsstress. Um Enttäuschung, Verrat, Misstrauen – und Verunsicherung. Jesus und seine Jünger sind zusammen – sie essen und trinken. Aber – es ist ihnen nach allem anderen zumute als nach Feiern und guter Laune. Ein bedrohlicher Schatten hatte sich über sie alle gelegt. Jesus wurde gesucht, verfolgt, gar mit Verhaftung und dem Tod bedroht. Und die Jünger?

Sie hingen mit drin. Eine Schicksalsgemeinschaft war das geworden. Bedrohung von außen – das lässt zusammenrücken – normalerweise. Aber hier? Ein Satz von Jesus – und es war, als sei ein Tropfen Gift gefallen. Misstrauen gesellte sich zu der Angst vor dem, was kommen würde. „Einer von Euch wird mich verraten!“ Leise und ohne Vorwurf sagte Jesus das. Eine Feststellung, eingeleitet mit dem doppelten ‚Amen‘! Also sicher kein Versehen – mal eben so daher gesagt. Nein – hier geht es um unumstößliche Gewissheit. „Einer von Euch“ – aber wer? Johannes deutet an, was in dem Moment alle spürten: Ich könnte es sein! Sie erschraken. Was war das für ein Verrat, der jedem von ihnen so nah am Herzen lag? Jesus jetzt allein zu lassen? Sich wegducken – das wäre feige gewesen, aber noch kein Verrat. Verrat – das ist: sich aktiv gegen den Weg Gottes stellen. Etwas tun, was das Unheil herbeiruft. Hingehen, den Verfolgern den entscheidenden Tipp geben. Das hat noch eine ganz andere Qualität als Schweigen aus Angst. Was hat Judas getan?

Er handelte gegen die dritte Bitte im Vaterunser: Dein Wille geschehe! Das wollte Judas nicht. Abwarten? Das hielt er nicht aus. Dabei war es gerade diese Bitte, die Jesus so wichtig war. Wenig später bat er genau so – im Garten, als er um die Kraft zum Weitergehen rang: Dein Willegeschehe! Wer so betet, ist nicht entlassen aus der eigenen Verantwortung. Sondern der muss selbst einwilligen in das, was Gott tut. Dein Willegeschehe, das heißt: darauf vertrauen, dass Gott es schon richtig machen wird. Es ist der Verzicht darauf, das Schicksal immer in die eigene Hand zu nehmen, immer alles regeln zu wollen. Das wird dann so unendlich schwer, wenn wir es mit Leid zu tun kriegen. Dein Willegeschehe - Wenn sich ein Weg verschließt, von dem wir uns viel versprochen hatten. Welche Hoffnung trägt uns dann? Das Herzensanliegen des Judas war vielleicht eher die erste Bitte im Vaterunser: Dein Reich komme! Das wollte er erleben. Und das sah er jetzt in Gefahr. Dem Reich Gottes wollte er nachhelfen. Und wurde zum Verräter. Warum?

Alle Frömmigkeit, alles Beten schützte ihn nicht vor dem Verrat. Johannes sagt: Der Satan fuhr in ihn. Der Diabolos – der Durcheinanderbringer. Die Kraft, die alles verdreht. Der Evangelist Johannes versucht mehrmals, das Unbegreifliche zu erklären. Er unterstellt dem Judas auch sonst dunkle, eigennützige Motive: Der war ein Dieb. Der hatte auch sonst mit Geld zu tun. Das verdirbt den Charakter – behauptet Johannes. Ganz anders Jesus: Er reicht auch Judas das Brot. Er schließt ihn gerade nicht aus seiner Gemeinschaft aus. Dass es die dunkle Macht gibt – das war für Jesus keine Frage. Auch Petrus hat er einmal das auf den Kopf zugesagt: Geh weg, Satan! Und hat doch die Beziehung nicht aufgekündigt. Für ihn ist auch der, der Böses tut, nicht verloren, nicht verdammt. Selbst Judas nahm am Abendmahl teil. Er war nicht schlechter als alle anderen auch. Und ich? Wo sitze ich am Tisch Jesu? Man könnte sagen, ich sitze zugleich auf beiden Seiten: Wie Judas und alle Jünger bin auch ich kein Unschuldslamm. Mindestens da, wo ich glaube, dass doch besser mein Wille geschehe und nicht der Wille Gottes. Wo ich meine, es selber doch besser zu wissen.

Mich tröstet bei dieser Abendmahlsgeschichte von Johannes, dass immer auch der Verrat Thema ist. Ohne Judas zu nennen – Jesus wurde verraten. Was Jesus angeht, blieb Judas in der Tischgemeinschaft. Auch ihm reichte er den eingetauchten Bissen Brot. Wie tröstlich! Jesus liebt den Sünder – und hasst die Sünde. Wenn wir an den Tisch Jesu treten, reicht er uns den Bissen – selbst wenn wir ihn hundertmal verraten haben – und es wieder tun werden. Und wir sitzen auch auf der anderen Seite des Tisches: Wie Jesus erleben auch wir solchen Schmerz, solche Verletzungen. Wo immer Menschen uns Unrecht tun – und das geschieht ja. Wo es uns schmerzt, weil einer, der uns nahesteht, uns nicht versteht. Und Dinge tut, die einfach weh tun – und das scheinbar gar nicht merkt. Wo wir uns fragen: Was treibt den gerade an? So was geschieht. Ja. Und das ist mühsam. Und schmerzlich. Und es war Nacht – damit endet diese Geschichte. Manchmal hat man den Eindruck, die Nacht des Verrates endet nie. In den Einsetzungsworten zum Abendmahl wird immer auch daran erinnert – an die Nacht des Verrates.

Jesus zeigt, dass wir trotzdem den Schmerz nicht siegen lassen müssen. Er hat Judas nicht aufgegeben. Er hat getrennt zwischen ihm und der dunklen Macht, die ihn in diesem Moment durcheinanderbrachte. Diese Möglichkeit haben wir auch. Auch wir sollen nicht aufgeben. Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist. Das hat Jesus gelebt – das ist uns aufgetragen. Jeden Tag neu diese Barmherzigkeit zu leben, barmherzig zu sein mit uns und anderen. Amen!


Lied: Vater, deine Liebe
-> Klicken Sie auf Play bei der "Audiodatei Nr. 3", um die Klavierbegleitung zu starten! Der Mitsing-Part beginnt bei 0:16.

Das Lied wird einmal wiederholt, also ingesamt zweimal gesungen!

Strophe: Vater, deine Liebe ist so unbegreiflich groß, und ich weiß gar nicht, wie ich leben konnte ohne dich, oh Herr!
Doch machst du mich zu deinem Kind, du schenkst mir deine Liebe jeden Tag.
Du lässt mich nie im Stich, denn Vater, du bist immer bei mir!

Refrain: Herr, ich preise deinen heil'gen Namen, du bist König! Du nur bist mein Herr und mein Gott!
Herr, ich preise deinen heil'gen Namen, du bist König! Du nur bist mein Herr und mein Gott!

Melodie und englischer Originaltext: Ian Smale
Deutscher Text: Helga König

Fürbitten:

Wir suchen dich Gott. Wir brauchen deine Hilfe. Für uns und andere bitten wir:

Gib uns Kraft, Mut und Barmherzigkeit, damit wir den Menschen, die unter uns leiden, wieder offen begegnen können und sie sich nicht von uns verraten und verkauft fühlen.

Dein Wille geschehe!

Wenn Sorgen und Ängste uns lähmen und wir unter den Urteilen, was denn nun wahr oder falsch, gut oder böse sei, leiden, gib uns Mut und Kraft, dass wir uns auf dein Wort verlassen und tun was nötig und möglich ist.

Dein Wille geschehe!

Es gibt so vieles, was die Welt drückt, besonders in diesen Zeiten. Gib Mut, Gott, zur Verständigung und Zusammenarbeit, auch bei verschiedener Meinung. Gib uns Geduld im Bemühen um einen gerechten Ausgleich beim Verteilen der weltweiten Güter, die wir alle brauchen.

Dein Wille geschehe!

In der Stille bringen wir dir das, was uns ganz persönlich auf dem Herzen liegt: Stille
 

Alles legen wir in das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

Segen: Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen!